Hypothese: Artikel über Homeoffice-Blues machen es nur schlimmer

Ja, auch ich konnte es mir nicht verkneifen einen Beitrag zum Thema Homeoffice Blues zu schreiben. Als ich zu dem Thema noch etwas Recherche betrieben habe, musste ich aber feststellen daß die immer gleichen, psychologisch wertvollen aber oberlehrerhaften Artikel zu diesem Thema bei mir erst Recht Homeoffice-Blues ausgeloest haben – und ich leide eher selten an Homeoffice Blues obwohl ich seit knapp zwei Jahren im Homeoffice arbeite.
Also stand ich da so auf meiner Terasse mit einer Tasse Kaffee und dem Dilemma dass auch ich so einen Beitrag schreiben will. Beim Versuch dieses Problem zu lösen musste ich unwillkürlich an eine Situation von vor ein paar Tagen denken bei der ich einen kleinen Disput mit dem Kabel meines Headsets hatte (dazu später noch mehr). Dieser Gedanke und das Grinsen das er bei mir auslöste brachten mich auf die Lösung: Natürlich haben all die Artikel die ich gelesen hatte Recht, aber einen wichtigen Punkt haben doch die meisten weggelassen: Spaß haben!
Und in diesem Sinne möchte ich dringend dazu raten den nachfolgenden Beitrag mit einem Schmunzeln zu lesen. Das hilft nämlich wirklich gegen Homeoffice-Blues

kein ergonomischer Arbeitsplatz: "Couch"

So verlockend es auch sein mag: Im Pyjama auf der Couch zu arbeiten sollte man lassen und nicht nur wegen mangelnder Arbeitsplatz Ergonomie. Ein, zur Not auch nur rudimentär, eingerichteter Arbeitsplatz ist der Beginn einer jeden erfolgreichen Homeoffice-Tätigkeit. Wer vom Büro gewöhnt ist mit einem oder sogar mehreren großen Bildschirmen zu arbeiten wird nicht plötzlich mit einem kleinen Notebook-Bildschirm auskommen. Die Folge ist eine weitaus mühsamere Bearbeitung von Aufgaben, alles dauert viel länger als gewohnt und die Motivation lümmelt schon bald genauso
Antriebslos auf der Couch wie man selbst.
 
Auch der Verlockung es sich für Meetings bequem zu machen sollte man tunlichst widerstehen. Selbst wenn man seine Notizen direkt am Notebook machen kann, der Moment an dem man etwas nicht griffbereit hat wird kommen. Bis man dann von der Couch aufgesprungen ist, sich vom Sturz über das Kopfhörer-Kabel wieder aufgerappelt, am Schreibtisch das Benötigte zwischen den Bröseln des letzten Frühstücks gefunden, den Rückweg gemeistert und das Kopfhörer Kabel wieder eingestöpselt hat, sind unter Umständen bereits einige wichtige Informationen verpasst.
Natürlich kann man dann um Wiederholung der Informationen bitten, Freunde macht man sich damit aber nicht. Auch den Kollegen anschließend um seine Notizen bitten funktioniert nur bedingt: Zum einen hatte der evtl. weniger Glück bei seinem Sturz über das Headset-Kabel, zum anderen: Wer hat früher in der Schule schon dauernd seine mühsam gemachten Hausaufgaben abschreiben lassen?
 
So verlockend es auch sein mag: Ein vernünftiger Arbeitsplatz ist die Couch sicher nicht.
Schon besser, Kaffee und Handy sind Griffbereit. Beides macht sich aber auch auf dem Schreibtisch unheimlich gut.

Routine ist alles

Da wir jetzt das Couch-Thema erledigt haben, nehmen wir uns das Pyjama-Thema vor. Natürlich ist das bequem und auch so praktisch: Morgens aus dem Bett, ohne umschweife an den PC und loslegen und Abends genauso einfach zurück ins Bett. Wer träumt nicht von genau diesem Arbeitstag, nichts als schlafen und arbeiten…
Hab ich gerade Widerspruch vernommen? Irgendwas von Zähne putzen undFrühstück? Und da hinten in der letzten Reihe meinte doch glatt einer sogar von Freizeit zu fabulieren. Während Freizeit gnadenlos überbewertet wird (ich lös das später  noch auf, versprochen), sind Zähne putzen und frühstücken doch schon gute Ansätze für einen geregelten Tagesablauf. Warum sich also nicht auch gleich in normale Klamotten werfen und nichtmehr von der spontanen Videokonferenz peinlich überrascht werden?
Kleiner Tip am Rande: Auch andere Personen des Haushalts werden von der Kamera aufgenommen, also am besten alle anziehen.

Solche Routinen helfen dabei die Grenzen zwischen Freizeit und und Arbeitzeit klar zu ziehen. Diese verschwimmen im Homeoffice sowieso zunehmend und auch wenn Ihr Chef sich darüber freuen dürfte das Sie neuerdings freiwillig 24h Dienst übernehmen, in Ihrem Interesse ist das sicher nicht. Also ruhig Morgens im Pyjama gemeinsam mit dem Partner oder der Familie Frühstücken, dann fertig machen für die Arbeit und da wo Sie normalerweise den Arbeitsweg antreten würden, setzen Sie sich einfach an Ihren Schreibtisch.

Achja, die Auflösung zum Thema Freizeit: Natürlich kann man Freizeit garnicht überbewerten. Dennoch ist die Arbeitszeit nicht dazu gedacht den Probemonat Disney+ möglichst effektiv zu nutzen. Meine bessere Hälfte schafft es immer ganz gut es mir zu versauen wenn ich mich vor der Arbeit drücken will. Da muss dann plötzlich der Geschirrspüler eingeräumt werden, die Wäsche aufgehängt und die Fenster geputzt – und plötzlich ist mir dieser kleine Moment Freizeit während der Arbeitszeit garnichtmehr soooo wichtig…

Vereinahmung oder Vereinsamung

Bei meinen Recherchen bin ich auch laufend über das Thema Vereinsamung aufgeklärt worden. Man solle regelmässig mit den Kollegen kommunizieren etc. Ich weiß zwar nicht was für Erfahrungen da zu Grunde liegen, aber in zwei Jahren Homeoffice war Vereinsamung nun wirklich nie ein Thema bei mir.
Zum einen weil, ob ich will oder nicht, verschiedene (Online-)Meetings sowieso statt finden müssen und sich da immer auch Gelegenheiten zum scherzen und gemeinsam lachen finden. Zum anderen aber auch weil mir ja niemand verbietet meine Mittagspause mit jemandem zu verbringen.
Gut, letzteres ist für Singles durch die aktuellen Ausgangs-Beschränkungen etwas schwieriger geworden, aber wer Familie oder Partner zu Hause hat und vereinsamt, dem ist vermutlich sowieso nichtmehr zu helfen.

Das meiner Meinung nach deutlich größere Problem ist da dann doch die Vereinahmung, gerade weil aktuell soviele im Homeoffice arbeiten. Für mich war es eine erhebliche Umstellung als ich plötzlich nicht mehr alleine im Homeoffice war. Wo ich bis vor wenigen Wochen noch meine Ruhe haben konnte wenn ich konzentriert arbeiten musste und lautstark Musik hören konnte wenn mir danach war, muss ich jetzt plötzlich Rücksicht nehmen auf jemand anderen. Klingt jetzt schlimmer als es ist, aber ich habe da auch noch die weniger schlimme Variante erwischt.

Hinweis: Bitte all diejenigen die nicht in der Lage sind zwischen Kritik an einer Situation und an Kindern an sich zu unterscheiden jetzt nicht weiterlesen sondern zum nächsten Punkt springen. Wer sich trotzdem in seinen Grundfesten und Weltanschauung angegriffen fühlen will… Bitte nur zu, ich habs ja nur gut gemeint…

So richtig hart triffts meiner Meinung nach diejenigen mit Kindern. Nicht nur das man sich plötzlich selbst um die Kleinen kümmern muss was doch sonst der Kindergarten macht, nein, die wollen auch einfach nicht einsehen dass Mama und/oder Papa auch wenn sie zu Hause sind halt arbeiten müssen. Dafür sinds ja auch Kinder, die wollen spielen und Aufmerksamkeit.
Der Ein oder Andere mag jetzt wohl vorschlagen es so hinzudrehen das die Kinder die Arbeit erledigen, während man selbst in der Hängematte liegt.
Neben dem Verbot von Kinderarbeit steht dem aber insbesondere eine Gefahr im Weg: Was wenn jetzt plötzlich die Arbeitsleistungen steigen? Wie soll man das denn leisten wenn man dann wieder vor Ort im Büro sein muss und nichtmehr die Kinder die eigene Arbeit machen?

Aber im Ernst: Homeoffice bedeutet zu Hause arbeiten nicht zu Hause die Kinder bespaßen. Das gelingt nur in dem man sich entweder entsprechend abschottet oder aber klare Regelungen trifft wie und wann man gestört werden darf. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder sondern auch andere Haushaltsangehörige.

Kinder und Arbeit, eine ungünstige Kombination